Ausgabe 002Bauwerke18. Oktober 2026

Warum stehen Wassertürme so hoch?

„Dein Duschwasser wird von der Schwerkraft gedrückt.“

Kurz erklärt

Kein Motor im Wasserhahn, keine Pumpe im Keller – trotzdem kommt oben im Bad genug Wasser an. Der Trick ist die Höhe: Je zehn Meter Wasser drücken mit etwa einem Bar. Nachts füllen Pumpen den Turm, morgens drückt er zur Duschspitze von allein nach. Ein Haus mit vier Etagen braucht am Anschluss rund vier Bar – eine vierzig Meter hohe Wassersäule. Darum haben Hochhäuser eigene Pumpen, in New York sogar Tanks auf dem Dach.

Das ganze Skript zum Nachlesen

Dein Duschwasser wird von der Schwerkraft gedrückt.

Kein Motor im Wasserhahn, keine Pumpe im Keller. Trotzdem kommt oben im Bad genug Wasser an. Die Antwort steht oft mitten im Ort: ein Wasserturm.

Wasser ist schwer. Je zehn Meter Wasser über dir drücken mit etwa einem Bar. Der Tank muss also nur hoch genug stehen. Den Rest erledigt sein Gewicht.

Gefüllt wird nachts. Dann laufen die Pumpen in Ruhe. Morgens wollen alle gleichzeitig duschen. Jetzt drückt der Turm von allein nach und fängt die Spitze ab.

Und wo kein Turm steht? Liegt ein Hügel in der Nähe, kommt der Speicher einfach oben drauf. Das ist ein Hochbehälter. Sonst übernimmt eine Pumpe den Druck.

Jetzt die Zahl. Ein Haus mit vier Etagen über dem Erdgeschoss braucht am Anschluss rund vier Bar. Das ist eine vierzig Meter hohe Wassersäule. So hoch wie etwa dreizehn Stockwerke.

Darum reicht der Druck aus dem Netz für Hochhäuser nicht. Sie haben eigene Pumpen. In New York stehen dafür Wassertanks auf den Dächern. Unten wird hochgepumpt, oben gespeichert. Und ab da fließt wieder alles mit Schwerkraft.

Ein Wasserturm ist also nur ein sehr hoher Eimer. Dein Duschwasser wird von der Schwerkraft gedrückt.

Quellen

  1. Je 10 m Wasser ≈ 1 bar (genau: 10 m WS = 98,07 kPa = 0,98 bar; p = ρ·g·h)

    Wikipedia: Meter Wassersäule („1 mWS = 9806,65 Pa"); Lehrbuch-Darstellung Schweredruck: Duden Learnattack/Lernhelfer: Schweredruck in Flüssigkeiten

  2. Wasserturm erzeugt Druck allein durch Höhe (Schwerkraft)

    Wikipedia: Wasserturm („allein mit Hilfe des aus der Schwerkraft resultierenden hydrostatischen Drucks")

  3. Behälter werden nachts gefüllt, speisen morgens zur Duschspitze zusätzlich ein

    Stadtwerke Essen, Pressemitteilung 21.04.2020 („Sie werden nachts immer wieder aufs Neue aufgefüllt. Steigen dann morgens viele Menschen gleichzeitig unter die Dusche, wird das Wasser aus den Behältern zusätzlich eingespeist")

  4. Hochbehälter auf Höhenzügen; Wasserturm, wo keine Erhebung ist; sonst Tiefbehälter + Druckerhöhung (Pumpwerk)

    LfU Bayern: Speicherarten

  5. Mit regelbaren Pumpen wurden viele Türme überflüssig (ab ca. 1950)

    Wikipedia: Wasserturm („ab ca. 1950 entbehrlich"); Beispiel Dürmentingen-Heudorf: Sanierung ~2 Mio. € vs. Abriss + Druckerhöhung 565.000 € (Schwäbische Zeitung) — nicht im Skript

  6. Haus mit EG + 4 OG braucht am Anschluss rund 4 bar (neue Netze: EG 2,0 bar … EG+4 OG 4,0 bar)

    DVGW-Merkblatt W 403, zitiert in SBZ Monteur 05/2013, S. 28 — DVGW-Original nicht frei zugänglich

  7. 4 bar ≈ 40 m Wassersäule

    eigene Rechnung (4 × 10 m; genau 40,8 m)

  8. 40 m ≈ etwa 13 Stockwerke

    eigene Rechnung mit ~3 m pro Geschoss (Annahme: Geschosshöhe)

  9. Netzdruck reicht für Hochhäuser nicht → eigene Druckerhöhungsanlagen

    Baunetzwissen: Druckerhöhungsanlagen (Mindestversorgungsdruck 2–3,5 bar reicht für viergeschossige Bauten, DEA häufig in Hochhäusern)

  10. New York: Netzdruck reicht ca. 6 Stockwerke; Kellerpumpen füllen Dachtanks, von dort Schwerkraft

    Untapped New York: How do water tanks work; NYCHA Roof Tank Replacements (PDF)

Bilder aus der Ausgabe

Bildnachweise

Collage, Grafik und Schnitt: PlutoYear. Die Stimme im Video ist KI-generiert (ElevenLabs).

Rückseite, Ausgabe 002

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